Klout ist ein Dienst, der euren “sozialen Einfluss” misst und bewertet. Ergebnis ist der sogenannte Klout-Score, eine Zahl zwischen 1 und 100, die Auskunft über eure “Macht” im Social Web gibt.
Unser eigener Klout-Score ist mit 10 ziemlich mickrig. Sollte sich daran nichts ändern, könnte Mediatory einer ganz ganz düsteren Zukunft entgegen gehen. Denn vielleicht werden Werbekunden in Zukunft den Klout-Score einer Agentur als Entscheidungskriterium für die Zusammenarbeit heranziehen.
Was sich zunächst nach einer netten Spielerei anhört, könnte in Zukunft weite Kreise ziehen. In Amerika ist Klout laut WIRED schon ein ernstzunehmendes Phänomen. Von daher könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die “Schufa fürs Web”, wie Jürgen Vielmeier vom Basicthinking-Blog Klout beschreibt, in Deutschland breit macht.
Pro Klout:
1. Neuer Marketing-Kanal für Unternehmen:
Für Unternehmen eröffnet sich eine neue Möglichkeit, den Marketing-Kanal Social Media effizient zu nutzen. Beispiel:
Der Klout-Score ist in verschiedene Themengebiet untergliedert. So könnte der Hersteller eines neuen Elektrorollers z.B. über Klout herausfinden, welche Personen einen großen Einfluss in ihrem sozialen Umfeld ausüben, was das Thema Mobilität anbelangt. Dementsprechend könnte man diese Personen gezielt dazu animieren, über das eigene Produkt zu twittern, zu facebooken usw., um somit neue Kundengruppen zu erschließen.
2. Belohnung für aktive Social-Web-Nutzer.
Beispiel: Jemand, der mit viel Hingabe und Mühe einen beliebten Blog zum Thema “Australien” pflegt und zu diesem Thema eine große Reichweite in den sozialen Netzen hat, könnte von Klout profitieren. Denn eventuell hat eine Airline Interesse daran, ihm ein Flugticket zu spendieren. Er könnte ja über die komfortablen Sitze und den guten Service berichten.
Contra Klout:
1. Verzerrung von Tatsachen:
Da der Score mit Hilfe eines geheimen Algorhythmus errechnet wird, bleibt das Ergebnis höchst zweifelhaft. Besonders gefährlich wird es, wenn Klout-Scores, wie anscheinend in Amerika geschehen, zur Bewertung von Job-Bewerbern herangezogen werden.
Im Extremfall ist jahrelange Berufserfahrung wertlos, wenn der Score niedriger ist als der eines zwar minderqualifizierten, aber höher gelisteten Mitbewerbers. Zudem ist es bereits gelungen, den Klout-Score künstlich in die Höhe zu treiben. So könnte sich eine Kosmetikerin mit etwas Geschickt theoretisch zum No.1-Experten in Sachen Luft-und Raumfahrttechnik aufschwingen, ohne jemals studiert zu haben.
2. Kommerzielle Unterwanderung:
Die Nutzung von Klout zu Marketingzwecken steuert einen weiteren Baustein zur Kommerzialisierung des SocialWeb bei. Wenn mir eine Fluglinie ein Ticket nach Australien schenkt, schreibe ich natürlich nicht mehr neutral.
3. Social Burn-Out:
Die Gefahr der Abhängigkeit von sozialen Medien ist bereits heute gegeben. Sollten sich zusätzliche Anreize durchsetzen, sich in diesem Bereich noch stärker zu engagieren, führt das u.U. zu noch mehr Fällen der berüchtigten “Nicht-abschalten-können”-Krankheit.
Zwei Wochen Urlaub sollen bereits ausreichen, den Klout-Score deutlich sinken zu lassen. Schwups, weg ist das Gratis-Flugticket.
Fazit:
Es bleibt abzuwarten, ob sich das Geschäftsmodell von Klout langfristig durchsetzen wird. Mit der zunehmenden Bedeutung von Social Media in der Gesellschaft (und somit auch in der Wirtschaft) werden solche Ranking- und Rating-Systeme meiner Meinung nach aber über kurz oder lang Boden gut machen.
Ob man das begrüßt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil werde diese Entwicklung mit wachsamem Auge beobachten.
-Nil Boushila-
